Aufgelesenes
Auffälliger Mitbürger
Zum Tod des hannoverschen Buchhändlers Wigbert Schulze
Als Student, als junger Mann wirkte er älter, und später sah er alterslos, eher jünger aus, wenn er über den hannoverschen Flohmarkt, durchs Stadtbild ging. Wigbert Schulze, ein auffälliger Mitbürger, mit wehendem schwarzen Mantel und langem, früh schon weiß gewordenem wehendem Haar, blickte aufmerksam auf seine Umgebung. Jetzt ist er kurz vor seinem 75. Geburtstag gestorben.
Wigbert Schulze war kein gelernter, er war ein Buchhändler aus Leidenschaft. Als junger Mann nach dem 68er-Jahr war er lange Zeit der Juniorpartner in Ingeborg Beckers kleiner Buchhandlung auf der Lister Meile. Und als diese einmal krankheitsbedingt ausfiel, hatte er das eher traditionelle Sortiment kurzerhand zum linken Buchladen umorganisiert. Die linken Uni-Leute hatten nun die Wahl zwischen Internationalismus-Buchladen am Engelbosteler Damm und Wigbert Schulze.
1977 gründete er auf der Jakobistraße seinen eigenen Laden mit Antiquariat, “Hesperus” genannt. Der wurde zum kulturellen Treffpunkt. Wer dort auch nur in die Fenster schaute, erlebte oft von Tag zu Tag durch seine Auswahl der ausgelegten Bücher Schulzes ganz persönlichen Kommentar zum “Lauf der Dinge”.
Leider ging es Mitte der neunziger Jahre damit zu Ende. Was ihm nur noch blieb, waren sein Antiquariat am Moltkeplatz uns sein so aufmerksamer Blick.
(Von Ludwig Zerull)
